Unternehmer unterschätzen Vorteile einer gelungenen Nachfolgeregelung
02. Juli 2007 14:36 Uhr | Dr. Tillner & Cie. GmbH
Düsseldorf - Rund 71.000 Unternehmer übergeben jedes Jahr Ihre Firma an einen Nachfolger. Doch viele mittelständische Familienunternehmer verspielen durch eine zu späte Adressierung des Themas Nachfolge die Chance auf eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens nach Ihrem Ausscheiden.
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Den deutschen Mittelständler zeichnet aus, dass er Herausforderungen annimmt und beherzt Entscheidungen trifft. Er ist ein Mann einsamer Entschlüsse und hat alles unter Kontrolle. Dies hat ihn erfolgreich gemacht. Doch während er im Unternehmen alles kontrollieren kann, ist das in der Familie und bei der Frage der Nachfolge anders. Hier muss der Unternehmer sich von der Vorstellung verabschieden, es alleine entscheiden zu können. Möchte ein Unternehmer das Unternehmen in Familienhand erhalten, so muss er diejenigen einbeziehen, die diese Vorstellung über sein Ausscheiden hinaus verwirklichen sollen. Gleichzeitig führt die enorm große Identifikation mit dem Unternehmen dazu, dass es „ein Leben neben der Firma“ häufig nur sehr eingeschränkt gibt. Der Wegfall der aktiven Beschäftigung im Unternehmen wird mit Kontrollverlust und dem Fall in ein tiefes schwarzes Loch verbunden. So ist es nicht überraschend, dass viele Unternehmer die Regelung der Unternehmensnachfolge nur sehr ungern und meist auch viel zu spät angehen.
Dies muss nicht sein. „Macht der Unternehmer sich frühzeitig daran, eine Gesamtstrategie für die Fortführung des Unternehmens zu entwickeln, lässt sich viel Ärger, Zeit und Geld sparen“, sagt Claus-Henning Tillner, dessen Unternehmen Dr. Tillner & Cie. sich auf die ganzheitliche Beratung bei Unternehmensnachfolgen spezialisiert hat. „In vielen Fällen fehlt ein umfassendes Nachfolgekonzept, das die Aspekte Unternehmen, Familie und Vermögen in den erforderlichen Einklang bringt“, erklärt Tillner. „Eine Nachfolgelösung ist viel mehr als ein rein juristisches oder steuerrechtliches Thema.“ Genauso wichtig sei aber auch, dass der Unternehmer sich frühzeitig Gedanken macht, was er nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen mit seiner nun freien Zeit anfangen möchte.
Die Regelung der Nachfolge gehört zu den wohl wichtigsten und schwierigsten strategischen Aufgaben eines verantwortungsbewussten Unternehmers. Eine frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema Unternehmensnachfolge bietet aber auch viele Vorteile und eröffnet Chancen. So führt die Erarbeitung einer Nachfolgestrategie zur Beschäftigung mit der langfristigen Unternehmensstrategie – eventuell unter Einbeziehung des Nachfolgers. Dies führt mittel- bis langfristig zur Steigerung des Unternehmenswerts. Gleichzeitig erhöht eine Anpassung der Organisation und des Führungsmodells die Chancen, dass ein Nachfolger aus der Familie in das Unternehmen eintritt und steigert die Attraktivität der Firma für familienexterne Führungskräfte. Doch selbst wenn das Unternehmen dann letztlich doch verkauft werden muss, machen sich die Vorbereitungsmaßnahmen in barer Münze bezahlt – sie erhöhen den Verkaufspreis. „Das scheinbar Absurde bei einem Verkauf ist, dass die vorherige Stärke des Unternehmens, die Konzentration auf den Unternehmer, nun den erzielbaren Preis senkt“, erklärt Tillner.
Derzeit eröffnet eine frühzeitige Beschäftigung mit der Nachfolgethematik noch ein weitgehendes Ausschöpfen der steuerlichen Möglichkeiten. Mit der Neuregelung des Erbschaftsteuerrechts für Firmenerben wird es aber noch wichtiger werden, rechtzeitig ein Nachfolgekonzept zu erarbeiten. Denn nutzt ein Firmenerbe zukünftig das derzeit geplante Steuerprivileg des Abschmelzungsmodells, so kann er seine Anteile die nächsten 10 Jahre nicht veräußern. Auch muss er das Unternehmen für diesen Zeitraum in vergleichbarem Umfang, insbesondere Umsatz, Auftragsvolumen, Betriebsvermögen und der Anzahl der Arbeitnehmer erhalten. Ein guter Grund, sich frühzeitig mit einer umfassenden Nachfolgestrategie zu befassen.
Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist aber auch, dass eine offene und ehrliche Beschäftigung der Unternehmerfamilie mit dem Thema Nachfolge dazu führt, dass alle Familienmitglieder an einem Strang ziehen. Denn sind erst einmal die individuellen Ziele und Vorstellungen der Familienmitglieder offen ausgesprochen, so bleibt wenig Platz für Missverständnisse, die beim Thema Nachfolge in Unternehmerfamilien sehr weitverbreitet sind.
Darüber hinaus gilt es frühzeitig die Familie und das Unternehmen für einen plötzlichen Ausfall des Unternehmers durch Krankheit bzw. einen Unfall abzusichern. Immerhin fast ein Drittel aller Nachfolgen haben Ihren Grund in einem solchen Umstand. Ist die Nachfolge nicht umfassend geregelt, so kann ein solcher Notfall sehr schnell für die Familie und das Unternehmen Existenz bedrohend werden. Vor dieser Problematik stehen nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn ca. 19.000 Unternehmen jedes Jahr.
Statistiken: Nachfolgelösungen in deutschen Familienunternehmen
Anzahl: Ca. 71.000 pro Jahr
Gründe: 65,6 Prozent der Unternehmensnachfolgen geschehen altersbedingt, 8,1 Prozent resultieren aus einem Tätigkeitswechsel des Unternehmers. Ein 26,3-Prozent-Anteil entfällt auf Wechsel durch Krankheit, Unfall oder Tod.
Nachfolgevarianten: 43,8 Prozent der Unternehmen werden innerhalb der Familie übergeben. 16,6 Prozent gehen an externe Führungskräfte, 10,2 Prozent an Mitarbeiter. 21,1 Prozent der Unternehmen werden verkauft, 8,3 Prozent stillgelegt.
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