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Vorsicht Schule gefährdet ihre Gesundheit
04. April 2006 14:55 Uhr | Michael Dreyer


Die neurophysiologischen Grundlagen der Gewaltprävention

Ottersberg - Als Antwort auf die alarmierende Gewalt und Aggression an bundesdeutschen Schulen überbieten sich die Politiker gegenseitig mit Problemlösungsvorschlägen. Die Inhalte sind so verschieden wie die Farben der Parteibücher. Die Vorschläge reichen vom Einsatz muttersprachlicher Sozialarbeiter, Erhöhung der Lehrerzuweisungen, Abschaffung der Selektion und der Hauptschule, bis hin zu mehr Druck, Abschiebung und Schnupperknast. Doch das dahinter stehende „Froschprinzip“ – ein oder zweimal in die Hände geklatscht, macht der Frosch zwei Hüpfer und bleibt dann wieder sitzen, so wie vorher als wäre nichts passiert – gibt wenig Hoffnung auf Veränderung.

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Die Antwort auf die Frage nach den Ursachen ist schnell gefunden. Sie liege in erster Linie in der sozialen Herkunft der Schüler und ihren mangelnden Perspektiven, heißt es. Marx hatte es so ausgedrückt: Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein. Doch Bewusstseinsentwicklung und ihre neurophysiologischen Grundlagen sind an bundesdeutschen Klassenzimmern sang und klanglos vorbeigezogen.

Haben die so genannten auffälligen, aggressiven, gewalttätigen Schüler vielleicht etwa Recht? Ist ihr Verhalten nicht der schon lange überfällige Aufschrei der Verzweiflung – Schule macht mich krank? Wem kommt da nicht der Pink Floyd Hit „Another Brick in the Wall“ in den Sinn:“ Teacher, leave those kids alone.“

Dass Schule die Gesundheit der Lehrer gefährdet ist hinreichend bekannt. Die Symptome reichen vom Burn-Out-Syndrom, Herz-Rhythmusstörungen, über Depression, Angststörung bis zur Frühpensionierung.

Dass die übliche Erziehung und Bildung aber die körperlich-, geistig-seelische Gesundheit ihrer Schüler gefährden könnte, ist erstaunlicherweise bisher den Verantwortlichen nicht in den Sinn gekommen.

Gerade die jüngsten Forschungsergebnisse der Bild gebenden Verfahren (SPECT) der Gehirnfunktionen haben erschreckende Ergebnisse ans Licht gebracht. Wissenschaftlich spricht man von so genannten Gehirnläsionen – funktionalen Löcher im Gehirn, besonders in den entscheidenden Bereichen, die normalerweise einen effektiven Filter gegen impulsives, aggressives und gewalttätiges Verhalten liefern.

Da die Schüler täglich im Schnitt 5-6 Stunden dieser Pädagogik ausgesetzt sind, liegt der Schluss nahe, dass sie zu einem großen Teil mit verantwortlich ist für die neurophysiologischen Störungen. Zumindest hat sie bislang keine geeigneten, nachprüfbaren Handlungsansätze im Kreidekästchen, welche die neurophysiologischen und endokrinologischen Grundlagen zur Gewaltprävention bilden. Erstaunlich ist, dass noch niemand auf die Idee einer Klage wegen Körperverletzung gekommen ist.

„Es gibt verschiedene Faktoren, die zur Gewaltbereitschaft beitragen“, sagt Michael Dreyer (50), Sport- und Yogalehrerr aus Ottersberg bei Bremen. Ein Faktor, chronischer und akuter Stress, wurde seiner Meinung nach bislang allerdings zu wenig beachtet. Stress führe zu einem neurophysiologischen Ungleichgewicht, angezeigt durch erhöhte Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol, ein unterdrückter Stoffwechsel des „Glücksbotenstoffes“ Seretonin, sowie einer niedrigen EEG Kohärenz im Gehirn. Mit der Zeit führt dieses biochemische und elektrische Ungleichgewicht zu einer akuten und chronischen Gehirn Fehlsteuerung mit den bekannten Folgen antisozialem und gewaltbereitem Verhalten.

Integration beginnt somit für Dreyer zuerst im Kopf mit einer integrierten Gehirnfunktion. Das gleiche gelte für die viel zitierte Chancengleichheit. Erst wenn alle Schüler über eine nahezu optimale Funktion ihrer „Neuronenhardware“ verfügen, sind die neurophysiologischen Voraussetzungen für eine Chancengleichheit erst gegeben. „Versuchen sie das aktuellste Betriebssystem und die aktuellste Software auf einem Rechner mit schwacher Hardwarekonfiguration und wackelnden Kontakten zu benutzen, sie werden ständig Systemabstürze erleben und das Arbeiten wird zum Kampf mit der Sanduhr, so ähnlich geht es den Schülern", berichtet Dreyer.

Fakt ist, dass viele Schüler morgens schon mit einem Riesenpaket an unverdauten Problemen und Eindrücken die Schule betreten. Mit ein bisschen Gruppenunterricht, Wochenplanarbeit, offenem Unterricht, Selbsttätigkeit als Grundprinzip des Lernens in der Schule oder gar mit Frage-Antwort-Spielchen, Tafelerklärungen, ausgeteilten Kopien oder Stegreif-Vorträgen allein ist da kein Blumentopf zu gewinnen. Diese Schüler sind so nicht zu erreichen.

Ganz im Sinne des von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeforderten Integrationsgipfels mit konkreten Zielen und nachprüfbaren Handlungsansätzen, schlägt Michael Dreyer vor, den Kreis mit einem Forscherteam „Lernziel Meditation und Meditationsforschung zur Gewaltprävention“ zu erweitern. Bis dahin heißt es vorerst „Vorsicht, Schule gefährdet ihre Gesundheit – die Bildungsminister warnen“.

Michael Dreyer Heinrich-Siegel-Str.20b 28870 Ottersberg Tel. 04205 396970 www.living-yoga.de


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