DISW erstellt Gutachten - Serviceverbund Leben im Alter
19. November 2006 16:31 Uhr | DISW - Deutsches Institut für Sozialwirtschaft
Lüneburg - Das Deutsche Institut für Sozialwirtschaft (DISW) hat in einem aktuellen Gutachten für einen großen Träger der Altenpflege ein Zukunftsmodell entwickelt, wie etablierte stationäre Einrichtungen ihre Angebote auf die neuen sozialpolitischen Herausforderungen (Gesundheitsreform 2006) ausrichten können (Autoren: Andreas Tietze, MBA; Prof. Dr. Bernd Maelicke).
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Zentrales Qualitätskriterium dieses Modells ist zum einen ein Pflege- und Betreuungsmix von präventiven, integrativen geriatrischen Maßnahmen zur Vorbeugung von Langzeitpflege und zum anderen ein hoch individualisiertes modularisiertes Angebotsportfolio in der Altenpflege.
„Unser Modell ist ein Beitrag zum z.Zt. stattfindenden Paradigmenwechsel in der Altenpflege. Wir müssen wieder die Menschen in den Mittelpunkt des pflegerischen Engagements stellen. Dazu gehört ein flexibles Angebots- und Beratungsportfolio, um Pflege zu vermeiden und wenn diese nicht vermeidbar ist, ein differenziertes Angebot von ambulanten und modularisierten Wohn- und Betreuungs-dienstleistungen anzubieten, die sich vor allem an den individuellen Wünschen der Betroffenen ausrichten,“ so Prof. Dr. Bernd Maelicke, Direktor des DISW.
Etablierte stationäre Einrichtungen der Altenpflege müssen sich strategisch auf die Umstrukturierung zu neuen Einheiten wie Servicewohnen oder Hausgemeinschaften und zur Ausweitung ihres bisherigen Angebotsportfolios sowie zur Entwicklung von vielfältigen Dienstleistungen für die verschiedenen Kundengruppen ausrichten.
Die bestehenden Einrichtungen müssen zu Schnittstellen ambulanter und stationärer Versorgungsangebote weiterentwickelt werden.
Das DISW hat in dem Gutachten konkret aufgezeigt, wie eine solche Umstrukturierung aussehen könnte:
Im Mittelpunkt steht ein integriertes Dienstleistungszentrum – ein Serviceverbund für das Leben im Alter.
Das Modell besteht aus den drei Modulen:
Wohnen im Serviceverbund individuelles Wohnen mit ambulantisierten Pflegeangeboten, wie z.B. Pflege- und Betreuung nach Bedarf, 24 Std. Notrufsystem, Beratung etc. Hauswirtschafts- und Alltagsmanagement Geriatrie, präventive Pflege und Mobilisierung nach einem stationären Krankenhausaufenthalt älterer Menschen Fachärztliche geriatrische Betreuung Gesundheitstraining und Prävention Physio- und Ergotherapeutische Angebote Spezialisierte intensive Pflegeangebote Palliativpflege Hospizangebote
Alle Dienstleistungen werden aus einer Hand angeboten. Eine Unterscheidung stationär, teilstationär und ambulant findet nicht mehr statt. Die Finanzierung dieses Modells aus Mitteln der Pflegeversicherung und der gesetzlichen Krankenversicherung ist möglich.
Im Hinblick auf die zukünftigen demographischen Entwicklungen in Deutschland werden Pflege- und Betreuungsleistungen weiter zunehmen. Die Anzahl älterer Menschen und damit auch von Pflegebedürftigen nimmt stark zu. Die Anzahl von Leistungsempfängern der Pflegeversicherung wird von derzeit 2 Mio. auf ca. 3 Mio. im Jahre 2020 und auf ca. 4,7 Mio. im Jahre 2050 ansteigen. Gleichzeitig nimmt der Wunsch nach individuellen Betreuungsmöglichkeiten zu. Die institutionellen stationären Angebotsformen werden zunehmend von ambulanten und hochflexiblen Dienstleistungen verdrängt werden. Die Finanzierungsbedingungen werden sich entsprechend verändern.
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