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Mit Hobel und Bachantenzahn: Brauch aus dem Mittelalter zum Nacherleben
21. Mai 2008 10:33 Uhr | jena4you




Jena - Mit wehendem Talar, Mühlradkragen und großen schwarzen Hüten auf dem Kopf stürmen zwei Gestalten durch das Jenaer Johannistor, laut auf Latein debattierend. „Qui sunt isti homines,“ ruft eine der Beiden angesichts der wartenden Gäste, „Wer sind diese Leute da?“. „Est manus studiosorum, qui laborem fugiunt,“ antwortet die Andere, „Ein Häuflein nichtsnutziger Studiosi…“ Der sich anschließenden Schelte folgen die Wartenden meist mit verständnislosem Gesicht; wer ist schon heute des Lateinischen noch so mächtig, dass er einem Gespräch mühelos folgen kann?

Als vor 450 Jahren die Jenaer Universität gegründet wurde, war Latein noch die alleinige Unterrichtssprache, und selbst die Einträge in die Stammbücher, die Poesiealben der Studenten, waren häufig auf Latein abgefasst. Aber die Professoren Stigel und Strigel, die eben noch so streng die vermeintlichen Studenten rügten, haben ein Einsehen und fahren auf Deutsch fort. Sie berichten während des nun folgenden Rundgangs durch Jenas Zentrum von Studentenstreichen und dem reichlichen Bierkonsum der Studiosi, von ledigen Müttern und betrunkenen Dichtern, von Rempeleien auf dem Breiten Stein und von der klumpigen Rosinensoße, die so manche Professorenfrau auftischte, um Geld zu sparen.

Nach einem Besuch der Stadtkirche, in der die beiden Gründungsprofessoren der Jenaer Universität bei den Grabplatten der Reformatoren Luther und Schnepff verweilen, geht es über den Marktplatz, über den vor 400 Jahren der Lärm aus einer Druckerei hallte, zum Kollegienhof, der Gründungsstätte der Alma Mater. Hier folgt nach weiteren Schnurren eine stilechte Jünglingsweihe, genannt Deposition, zu der die Professoren einer Korbtruhe gar schauerliche Gerätschaften entnehmen, zum Beispiel eine große Scherengitterzange, einen Hobel und ein Beil. Nach Originaltexten werden dann einem angehenden Studenten die Hörner abgestoßen, ein Zahn gezogen und geschliffene Manieren beigebracht, so dass er sich, ausgestattet mit einem Depositionsschein, an jeder deutschen Universität bewerben kann.

Die überstandene Prozedur wird von allen mit einem Becher Wein gefeiert, und jetzt schaut manch einer der Gäste erstaunt auf die Uhr: Sind tatsächlich fast zwei Stunden vergangen, seit die Gruppe am Johannistor aufbrach?

Wenn auch Sie sich auf diese kleine Zeitreise begeben wollen, finden Sie die aktuellen Termine auf www.jena4you.de (/thematische Stadtführungen/Mit Hobel und Bachantenzahn).
Der Rundgang ist auch zum Wunschtermin buchbar.


Presse-Kontakt:

jena4you
Uta Lörzer
Talstr. 28c
07743 jena
Tel. 03641 448658
jena4you@googlemail.com
www.jena4you.de




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